Wie sich die Gesundheitsreform auf GKV-Versicherte auswirkt

Der Wettbewerb in der GKV wird mit Inkrafttreten des GKV-FQWG zum Jahresbeginn 2015 härter werden, wie die Krankenkassen nach einer Untersuchung des Beratungshauses Ergo Kommunikation erwarten. Leistungsseitig werden die gesetzlich Versicherten nicht profitieren, dafür aber durch zumindest leicht niedrigere Beiträge.

Zum 1. Januar 2015 tritt das Gesetz zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Finanzstruktur Qualitäts-Weiterentwicklungs-Gesetz – GKV-FQWG) in Kraft.
Damit gibt die Bundesregierung den Krankenkassen im Kern die Beitragsautonomie zurück. Der Beitragssatz wird von 15,5 auf 14,6 Prozent gesenkt, der jeweils zur Hälfte von Arbeitgebern und Kassenpatienten getragen wird.
Da nach Expertenmeinung kaum eine Kasse mit diesem Grundbeitrag auskommen wird, können die Krankenkassen einkommensabhängige Zusatzbeiträge erheben, die allein zulasten der GKV-Mitglieder gehen.
Ob es zu den von der Regierung erwarteten Beitragssenkungen auf breiter Front kommen wird, bleibt abzuwarten.
Verschärfter Wettbewerb unter den Kassen…
Vor diesem Hintergrund wurde eine Onlineumfrage zwischen Ende Juli und Mitte August unter den Kommunikations-Verantwortlichen der rund 130 gesetzlichen Krankenkassen durchgeführt, wie die Auswirkungen des GKV-FQWG eingeschätzt werden.
Da nur rund jeder sechste Befragte die Umfrage vollständig bearbeitete, ist die Untersuchung nach Unternehmensangaben als Trendanalyse zu werten und nicht als repräsentative Erhebung.
Eine deutliche Mehrheit rechnet der Umfrage zufolge mit einem verschärften Wettbewerb in der GKV, zwei Drittel sogar mit einer deutlichen Verschärfung. Von einer Verschärfung des Wettbewerbs mit der privaten Krankenversicherung (PKV) geht hingegen nur ein Drittel aus. Lediglich elf Prozent erwarten, dass es hier zu einer deutlichen Verschärfung kommt.
…aber nicht über das Leistungsniveau
Der verschärfte Wettbewerb zwischen den Kassen wird sich nach Einschätzung der Befragten allerdings nicht über Leistungsausweitungen abspielen. Solche sind nämlich von keinem einzigen Umfrageteilnehmer geplant. Die Differenzierung im GKV-Markt wird vielmehr praktisch ausschließlich über den Preis respektive Beitrag geführt werden, stellt das Beratungsunternehmen heraus.
So geht keiner der Befragten davon aus, dass es zu einer deutlichen Steigerung des Leistungswettbewerbs kommen wird und die Versicherten in der Folge spürbar davon profitieren. Lediglich jeder Dritte antwortete mit „nur geringfügig“.
Im Saldo leichte Beitragssenkung zu erwarten
Andererseits erwarten mehr als zwei Drittel, dass die Kassenmitglieder von dem Preiswettbewerb profitieren werden. Knapp die Hälfte der Befragten gab in diesem Zusammenhang an, dass derzeit ein individueller Zusatzbeitrag zwischen 0,1 und 0,8 Prozentpunkten geplant sei, was insgesamt eine Beitragssenkung aus Versichertensicht bedeutet.
Der Rest befindet sich noch in der Entscheidungsfindung oder machte hierzu keine Angaben. Die entsprechenden Tarifplanungen sollen mehrheitlich noch in diesem Jahr abgeschlossen sein, wie rund drei Viertel der Krankenkassen angaben. Jeder zehnte hat die Planungen bereits abgeschlossen.
Ergo-Geschäftsführer Tobias Mündemann zeigte sich überrascht darüber, „wie ausschließlich beitragsfixiert der Wettbewerb zu werden droht. Dass man sich auch über Leistungen gegenüber Kunden profilieren kann, scheint in den Planungen rund um das Gesetz derzeit keine Rolle zu spielen. Möglicherweise verpassen die GKV hier Chancen.“
Widersprüchliches Bild bei Neukundengewinnung
Weiteres Ergebnis: Zwei Drittel der Befragten wollen die zurückgewonnene Beitragsautonomie nutzen, um aktiv neue Kunden anzuwerben. Doch nur sechs Prozent rechnen damit, dass die Mitgliederzahlen auch tatsächlich maßgeblich ansteigen werden.
„Offenbar wissen die [Krankenkassen] wenig über die tatsächliche Wechselbereitschaft ihrer Versicherten“, beschreibt Mündemann dieses widersprüchliche Bild hinsichtlich der Neukundengewinnung.
Banken oder Telekomunternehmen hingegen wüssten aufgrund des scharfen Wettbewerbs sehr genau, wie man Neukunden gewinne. „Es scheint, die GKV stehen hier erst am Anfang einer Lernkurve“, so das Fazit Mündemanns

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