Vorteil Privatpatient

Bei der Terminvergabe beim Facharzt und den Wartezeiten in den Arztpraxen sind Privatpatienten klar im Vorteil. Nach den Plänen der Bundesregierung soll eine zentrale Terminvergabestelle nun dafür sorgen, dass Kassenpatienten innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin erhalten. Ist dies nicht möglich, soll alternativ ein Termin im Krankenhaus angeboten werden. Bei den Menschen ruft dies gemischte Gefühle hervor; die Ärzte halten dieses Vorhaben für nicht zielführend, wie eine Umfrage ergeben hat. Mancher Facharzt vergibt gar keine Termine an GKV-Versicherte mehr: Jeder kann zur Sprechstunde kommen, muss aber entsprechende Wartezeiten in Kauf nehmen, wie die Erfahrung zeigt.

Eine zentrale Terminvergabe, wie sie die Große Koalition derzeit plant, würden nach einer Befragung Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) zwar 45 Prozent der Bevölkerung befürworten.
„33 Prozent sind ausdrücklich dagegen“, heißt allerdings der weitere Befund der im Auftrag der MLP AG vorgenommenen Befragung für den Gesundheitsreport 2014 Vor allem die freie Arztwahl sei den Menschen wichtig.
Ein klares „So nicht“ kommt von den niedergelassenen Ärzten; 83 Prozent halten eine zentrale Terminvergabe für keine gute Maßnahme. Und auch im Krankenhausbereich finden 58 Prozent der befragten Ärzte wenig Gefallen an solchen Plänen.
Erst Warten auf den Termin, dann warten in der Praxis
Viele Klagen von Patienten gab es den Umfrageergebnissen zufolge bei den Versuchen, überhaupt einen Termin zu bekommen. Und auch mit Termin heißt es dann häufig, sich auf sehr lange Wartezeiten einzustellen. „An dieser Situation hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert“, heißt es in dem MLP Gesundheitsreport 2014.
Insgesamt gaben über ein Drittel der Befragten an, mehrmals sehr lange auf einen Arzttermin gewartet zu haben. Einem weiteren knappen Fünftel ist dies zumindest einmal passiert. Hier gingen die Erfahrungen der Versicherten in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung (GKV und PKV) deutlich auseinander, wird in dem Report hervorgehoben wird.
Demnach haben fast vier von zehn GKV-Versicherten davon berichtet, mehrfach sehr lange auf einen Arzttermin gewartet zu haben. Bei den PKV-Versicherten war es lediglich rund jeder Siebte. Fast identisch war hingegen mit jeweils einem knappen Fünftel der Anteil derjenigen, die bereits einmal sehr lange auf einen Arzttermin warten mussten

Mehrfach hatten mehr als die Hälfte der gesetzlich Versicherte sehr lange Wartezeiten in der Praxis, obwohl sie einen Termin hatten. Für IfD-Geschäftsführerin Professor Dr. Renate Köcher gehören hier Wartezeiten von einer Stunde und mehr dazu. Ein weiteres Sechstel der GKV-Versicherten hat diese Erfahrung bereits einmal gemacht. Bei den PKV-Versicherten hat jeder Vierte mehrfach sehr lange Wartezeiten in der Praxis erlebt. Knapp jeder Fünfte berichtet davon, dies sei ihm einmal passiert.

Der frühe Vogel fängt den Wurm
Es gibt mittlerweile auch Fachärzte, die an GKV-Patienten gar keine Termine vergeben. Jeder kann zu den angegebenen Sprechzeiten kommen. Da gilt dann der Spruch: Der frühe Vogel fängt den Wurm, wie eigene Erfahrungen des Autors zeigen.
Wer erst eine halbe Stunde nach Beginn der Sprechzeit kommt, dem wird von der Arzthelferin bereits geraten, doch noch eine Stunde spazieren zu gehen. Und wer erst nach einer Stunde die Praxis betritt, muss Glück haben, überhaupt noch angenommen zu werden.
Und wer vom Facharzt dann erneut einbestellt wird, dem wird von der Arzthelferin ebenfalls beschieden, dass es keine Terminvergabe (für GKV-Versicherte) gibt.
Allerdings ist das Praxisschild vor der Tür ganz eindeutig: Sprechzeiten „von … bis …“ – „und nach Vereinbarung“.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 9.4/10 (5 votes cast)
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: +3 (from 5 votes)
Vorteil Privatpatient, 9.4 out of 10 based on 5 ratings

Speak Your Mind

*